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Ein Besuch beim Ritter von Kalebuz und seinen Nachbarn
Der März lässt einen naturgemäß meist noch etwas frösteln und so empfehlen wir Ihnen, sich auf die Spuren einer spannenden und mysteriösen Legende in die schöne Landschaft des Ruppiner Landes zu begeben, die zu dieser Stimmung passt. Die gruselige Geschichte, die man dort erzählt, rankt sich um den märkischen Ritter Christian Friedrich von Kalebuz, der von 1651 bis 1702 auf seinem Gutsherrenhof in Kampehl lebte, wobei die Schreibweise Kalebuz dem Kirchenbucheintrag entspricht und auch "Kahlbutz" oder "Kalebutz" Verwendung findet. Berühmtheit erlangte der Ritter jedoch erst weit nach seinem Tode, als bei der Umbettung der Familiengruft 1794 sein Leichnam nicht verwest sondern ausgetrocknet vorgefunden wurde. Auch renommierte Mediziner wie Sauerbruch und Virchow konnten später diese Mumifizierung nicht abschließend erklären.

Ritter Kalebuz Foto: Hedavid, CC-by-sa 3.0

Der Volksmund jedoch fand eine Erklärung dafür und sah darin Gottes gerechte Strafe für einen Mord, den Kalebuz der Legende nach vor Gericht unter Eid geleugnet haben soll: "Wenn ich doch der Mörder bin gewesen, dann wolle Gott, soll mein Leichnam nie verwesen." Die ganze schaurige Geschichte können Sie sich bei einer Führung in die Gruft der Feldsteinkirche in Kampehl anhören und versuchen, selbst das biologische Rätsel der mumifizierten Leiche des Ritters Kalebuz zu lösen. Und die Moral von der Geschicht: Lüge niemals vor Gericht! - wie eines der vielen Lieder und Gedichte endet, die über diese Legende verfasst wurden.

Für die Anreise zu einer der bekanntesten Mumien Deutschlands empfehlen wir Ihnen je nach Wetterlage und sportlicher Ausdauer die 1,5 Kilometer vom Bahnhof Neustadt/Dosse (VBB-Fahrinfo) bis zur Kirche in Kampehl zu Fuß zurückzulegen oder das Fahrrad in der Regionalbahn RE4 mitzunehmen, es verkehren jedoch auch Busse, die Sie direkt bis Kampehl, Ortsmitte (VBB-Fahrinfo) bringen.

Adresse
Feldsteinkirche zu Kampehl
16845 Neustadt (Dosse)

Kontakt über das Evangelische Pfarramt Neustadt (Dosse)
Pfarrerin Michaela Fröhling
Telefon 033970 - 13265

Öffnungszeiten
im März täglich außer Montag geöffnet 10.00 - 12.00 Uhr und 13.00-16.00 Uhr

Weitere Informationen im Internet
Kalebuz.de >>
Über den Ritter Kahlbutz bei Wikipedia >>

Ganz in der Nähe kann man dann gleich noch eine Zeitreise in die sozialistische Vergangenheit vor 1990 unternehmen: Als direkter Nachbar des Ritters Kalebuz findet sich in den Gewölben des Kellers von Schloß Kampehl die Ausstellung DDR-Erinnerungen von Ernst Felix Rutsch, der für seine Sammelleidenschaft schon mal 30 Tage im Gefängnis saß, weil er auf dem Kyritzer Bahnhof ein altes Schild abgeschraubt hatte und als Rentner die Geldstrafe von 800 Euro dafür nicht bezahlen wollte oder konnte. Um die liebevoll präsentierte Ausstellung zu finden muss man nur dem grünem Ampelmännchen und dem Original DDR-Kaufhallen-Einkaufswagen folgen, dann erwarten den Zeitreisenden über 3000 Exponate aus dem Alltagsleben in der DDR mit allerlei Kuriosem und Interessantem. So ist beispielsweise die originalgetreu hergerichtete Konsum-Kaufhalle mit vielen zum Teil noch gefüllten Originalgebinden der Waren aus vergangenen Zeiten wie Immi, Club Cola oder Sonja Kaffeefilter ausgestattet. Geöffnet ist das DDR-Museum noch bis April nur am Samstag und Sonntag von 10 - 16 Uhr, von Mai bis Oktober dann täglich außer Montag von 10 - 18 Uhr.

sonja Kaffeefilter Foto: Rotkäppchen, Public domain


Schräg gegenüber der Kalebuz-Gruft kann man noch mehr erleben: Der Töpferhof zu Kampehl lädt dazu ein, den Töpfern über die Schulter zu gucken, wie sie die liebevoll handbemalten und in selbstgebauten Öfen traditionell gebrannten Unikate fertigen. Im gemütlichen Töpferrestaurant kann man sich anschließend mit frisch zubereiteten regionalen Speisen, die auf dem nebenan getöpferten Geschirr angerichtet werden, stärken.

Und wenn Sie schon einmal in der Gegend sind, sollten Sie es nicht versäumen, das etwa zwei Kilometer entfernte sehr beschauliche Städtchen Wusterhausen am Klempowsee in der Talaue der Dosse zu besichtigen. Das lässt sich je nach Witterung und Kondition mit dem Fahrrad oder sogar auf Schusters Rappen bewältigen, die meisten Fahrverbindungen mit Öffentlichen Verkehrsmitteln führen Sie über Neustadt zurück und dann nach Wusterhausen (VBB-Fahrinfo), was dann ebenso lange dauern kann. Mittelpunkt des historischen Stadtkerns ist der Marktplatz mit Rathaus und Dom, umrahmt von zahlreichen Fachwerkhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts und dem bemerkenswerten Heimatmuseum, das in den vielen Jahren seines Bestehens viele interessante Stücke Geschichte aus der Region zusammengetragen hat. Nach dem Besuch des Museums empfiehlt sich bei entsprechender Wetterlage noch eine Dampferfahrt auf der 22 km langen Kyritzer Seenkette, an dessen südlichen Ende Wusterhausen liegt.

Wusterhausen Foto: M. Schimpke, Public domain


Wir wünschen Ihnen einen schönen Ausflug ins Ruppiner Land mit seiner vielfältigen Naturlandschaft aus Seen, Flüssen, Kanälen und ausgedehnten Wiesen- und Waldlandschaften und seinen vielen kulturellen Schätzen, wo es noch viel mehr zu entdecken gibt, als wir hier vorstellen können.

Foto Titel: Scooter, flickr
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